Wenn das RWI rechnet, rechnet die Atom-Lobby mit

24. Juli 2008 HW

Eine Verschiebung des Atomausstiegs in Deutschland könne Wirtschaft und Verbrauchern zusätzliche Kosten in Milliarden-Höhe ersparen. Zu diesem Ergebnis kommt das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI). Laut der neuesten Studie des Essener RWI könne man mit einer Entlastung von mindestens 50 Milliarden Euro rechnen, sollten die Laufzeiten der Atomkraftwerke um 20 Jahre verlängert werden. Was selbst im Kleingedruckten der Studie nicht steht: Die Atom-Lobby rechnet beim RWI fleissig mit.

RWI-Energieexperte Manuel Frondel begründet seine Prognose mit dem Wegfall hoher Investitionen, die durch den Neubau von Kohlekraftwerken auf die Versorger zukämen. Diese Kosten würden bei der Verschiebung des Atomausstiegs entfallen und damit die Konsumenten entlasten, so Frondel.
Leider verschweigt die Studie, wer beim RWI fleissig mitrechnet: Im Hintergrund des RWI gibt es die “Gesellschaft der Freunde und Förderer des RWI Essen”, die “das Institut finanziell unterstützt und so Aktivitäten ermöglicht, die über die öffentliche Grundausstattung hinausgehen”. So lautet der Text in der Beitrittserklärung zu dieser Gesellschaft. Präsident dieser Gesellschaft ist niemand Geringeres als der ehemalige Vorstandsvorsitzende der RWE AG, Dr. Dietmar Kuhnt. RWE, deren Firmenzentrale zufällig auch in Essen liegt, betreibt in Deutschland drei Atomkraftwerke. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.