Teure Photovoltaik oder schlechter Journalismus?

26. Juni 2009 HW

In der Tageszeitung DIE WELT war vor einigen Tagen zu lesen, der Solarstrom hätte Deutschland allein im letzten Jahr “rund zehn Milliarden Euro” gekostet. Stimmt das wirklich? Nachrechnen lohnt sich…

Im letzten Jahr wurden zwischen Flensburg und Konstanz Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 1.500 Megawatt auf die Dächer geschraubt. Die solare Einspeisevergütung lag bei maximal 47 Eurocent, Freiflächenanlagen bekamen etwas weniger. Insgesamt erhielten demnach diejenigen, die sich eine Photovoltaikanlage auf die Garage, das Dach oder die grüne Wiese gesetzt haben, etwa 600 Millionen Euro. Auch eine Menge Geld, aber eben nicht “rund zehn Milliarden Euro”.

Also Nachfrage bei der WELT, woher sie diese astronomisch hohe Summe haben. Es stellt sich heraus: Man hat die kompletten 20 Jahre berechnet, in der die Vergütung für Sonnenstrom qua Gesetz gezahlt wird. Aber in dem Artikel war doch von 2008 die Rede? Und dass man mit den “rund zehn Milliarden Euro” Karstadt, Quelle und Opel “auf einen Schlag” hätte retten können? Karstadt, Quelle und Opel retten mit dem Geld, das deutsche Stromverbraucher in den nächsten 20 Jahren für saubere Energie zusätzlich berappen müssen? Das ist höhere Mathematik, die sich wahrscheinlich nur der WELT erschließt. Wohl gemerkt der Wirtschaftsredaktion.

Ein Blick in das Archiv der WELT schafft da mehr Klarheit. Der gleiche Redakteur, der schon für die solare Zahlenakrobatik sorgte, plädiert in einem Kommentar für längere Laufzeiten der Atomkraftwerke. Na bitte, warum nicht gleich. Wenn einem die Argumente gegen die Erneuerbaren ausgehen, werden sie irgendwie teuer geschrieben. Ein Jahr, zwanzig Jahre, was spielt das schon für eine Rolle. Hauptsache der Leser merkt es nicht und lässt sich verschaukeln. Wirklich schade. So einen schlechten Journalismus hat DIE WELT nicht verdient.

Foto: Paul-Langrock.de