Was Angela schon weiss und Katherina noch nicht

12. Juni 2009 HW

Die stellvertretende Unions-Fraktionschefin Katherina Reiche (CDU) wirbt in diesen Tagen - mal wieder - für einen Ausstieg aus dem Atomausstieg. Ihr aktuelles Argument: Mit einer Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken könne es gelingen, “2020 zirka 60 Prozent unseres Stromes - erneuerbare Energien eingerechnet - CO2-frei zu beziehen”. Es stimmt, dass Strom aus regenerativen Quellen wie Sonne, Wind, Erdwärme und Bioenergie klimafreundlich produziert wird. Die Behauptung, bei der Kernenergie sei dies auch der Fall, ist leider falsch. Und: wir brauchen die AKW gar nicht, denn 100 Prozent erneuerbare Energien sind möglich - eine gewisse Frau Merkel könnte dies Frau Reiche bestätigen…

Zwar produzieren Atomkraftwerke ihren Strom mit deutlich niedrigeren CO2-Emissionen als Gas- und Kohlekraftwerke. Das Freiburger Öko-Institut beziffert die CO2-Emissionen eines AKW auf etwa 25-50 Gramm pro Kilowattstunde. Zum Vergleich: Die Emissionen von modernen Gaskraftwerken liegen bei 385 Gramm. Als wichtigste CO2-Verursacher im Bereich der Kernenergie gelten für die Freiburger Wissenschaftler der Betrieb von Uranerzminen und Urananreicherungsanlagen, der Transport von Atommüll und nicht zuletzt der Bau und Abriss von Atomkraftwerken. Die Windenergie liegt mit produktionsbedingten CO2-Emissionen zwischen 11 bis 37 Gramm pro Kilowattstunde schon heute unter den Werten der AKW.

Doch während die CO2-Emissionen der Windenergie durch leistungsstärkere Turbinen und effizientere Bauweisen rückläufig sind, sehen Experten für die Kernkraft steigende Emissionen voraus. Der Grund: In den Uranvorkommen von Australien bis Kanada nimmt der Urananteil des Erzes immer mehr ab. Je geringer dieser Anteil ist, desto mehr Material muss mit hohem Energieaufwand verarbeitet werden, was zu immer höheren CO2-Emissionen führt.

Natürlich verbieten es auch die ungelösten Sicherheits- und Atommüllprobleme, die Kernenergie als “grüne Energie” zu verkaufen. Aber eben auch die CO2-Bilanz eines AKW ist negativ, so sehr die Atomlobby inklusive Frau Reiche auch das Gegenteil propagieren.

Dass eine klimafreundliche Energieversorgung komplett aus Erneuerbaren möglich ist, wurde Kanzlerin Merkel hingegen bereits auf dem Berliner Energiegipfel 2006 vorgestellt: Gezeigt wurde ihr eine simulierte Stromversorgung, bei der ein Kombikraftwerk 25 über ganz Deutschland verstreute Wind-, Solar-, Biomasse- und Wasserkraftanlagen verknüpft und steuert. Das Ergebnis: Der Strombedarf der Bundesrepublik konnte minutengenau gedeckt werden, weil Biomasse und Wasserkraft die unsteten Energielieferanten Wind und Sonne auffingen. Der Kommentar der Kanzlerin an die Adresse der Erneuerbaren: “Ich wusste gar nicht, dass sie bereits so viel drauf haben.” Danach wusste es also Frau Merkel. Vielleicht kann sie es in einer ruhigen Minute mal Frau Reiche weitersagen. Und bei der Gelegenheit dann auch gleich allen anderen fossilen AKW-Dinos in der CDU.

Foto: Deutscher Bundestag