König Fußball mit chinesischer Krone
19. Juni 2010 NR
FIFA-Präsident Joseph Blatter jubelt. Das ist noch nichts besonderes: Blatter jubelt gern und oft. Diesmal aber jubelt Blatter historisch: Es sei ein “historischer Moment”, sagte der Weltfußball-Boss, als die Unterschrift unter dem Vertrag getrocknet war. Der chinesische Photovoltaik-Konzern Yingli ist damit offizieller Sponsor der Fußball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010.
Historisch daran ist, dass zum ersten Mal ein chinesisches Unternehmen als globaler Sponsor des bedeutendsten Sport-Events auftritt. Aber nicht nur das: Blatter beeilte sich darauf hizuweisen, dass mit Yingli erstmals ein Repräsentant aus der Branche für erneuerbare Energien mit der Fußball-WM wirbt. Der Vertrag erlaubt Yingli, weltweit Werbung mit der Fußball-WM 2010 und deren Logo zu betreiben. Dazu kommen umfassende Ticket-, Werbebanden- und Medienrechte - und die Möglichkeit, Yingli-Produkte in den Fanzonen der WM-Stadien zu präsentieren.
Merken Sie etwas? Obwohl Sie einen Artikel über Fußball und Solarstrom - beides urdeutsche Fachgebiete - bereits im dritten Absatz lesen, sind Namen wie “Solarworld” oder “Q-Cells” noch nicht ein einziges Mal gefallen. Was nicht verwundert: Die Aktienkurse deutscher Sonnenstromkonzerne zeigen seit Monaten lediglich in eine Richtung - steil bergab. Und jetzt sollen ja auch noch die solaren Einspeisetarife hierzulande abgesenkt werden.
Insofern ist der Yingli-Sponsoren-WM-Vertrag eine sinnvolle Investition. Schon heute tummeln sich die Chinesen auf dem Markt in Germany, schon heute können sie zu deutlich günstigeren Preisen als Solarworld, Q-Cells und Co. ihre Solarsysteme anbieten. Und wenn es jetzt auch noch gelingt, die beiden urdeutschen Fachbereiche mit dem Namen “Yingli” zu verbinden, dann wird die Hütte brummen.
Q-Cells hat übrigens auch einen Sponsorenvertrag unterschrieben. Deutschlands größter Solarkonzern wird den Wissenschaftssommer auf dem Alten Markt in Magdeburg unterstützen.
Nick Reimer ist Chefredakteur des Online-Magazins wir-klimaretter.de
Foto: FIFA
